Sarah Hakenberg hat den Mut zur Tücke

"Woher man sie denn kenne?", fragte Sarah Hakenberg gleich zu
Beginn ihres Auftritts im fast ausverkauften kleinen Saal des
Tollhaus. Die Antworten schwankten zwischen YouTube und
Instagram, bei TikTok hingegen kam kein Feedback. Wie viele
Andere an diesem Abend war ich zum ersten Mal bei einem Auftritt
von Sarah Hakenberg, was vielleicht auch daran lag, dass Sarah
Hakenberg seit 20 Jahren versuchte, um Tollhaus zu spielen und
erst jetzt klappte es.
Auch ich war durch YouTube Clips auf sei aufmerksam geworden,
die Mischung aus musikalischem Kabarett mit teilweise
politischen Inhalten hatte mich angesprochen. Ihre
Kernkompetenzen seien Piano spielen, singen und dabei wo anders
hinblicken, so Sarah Hakenberg bei einem ihrer Songs, der auf
lustige Art und Weise ihre Bewerbung bei der städtischen
Verwaltung zum Thema hat und das trifft es recht gut: meist am
Piano seitlich zum Publikum sitzend schaut sie aber nicht auf
die Tasten, sondern ins Publikum.
Ihre Songs haben sind sowieso lustig, haben oft aber noch eine
Pointe und sind manchmal recht bissig, wie "Hündchen lynchen in
München" oder die traurige Geschichte des SUV Fahrers, der seine
Wildledersitze so sehr liebt wodurch sein ganzes leben aus den
Fugen gerät und er am Ende sich noch nicht einmal selbst mittels
Kohlenmonoxid in der Garage umbringen kann, da seine Frau ihn
mitsamt des SUV verlassen hat und ihm nur das E-Auto gelassen
hat. Man sieht, Sarah Hakenberg schafft es , auch vermeintlich
ausgelutschte Themen wie SUV Fahrer oder später auch dem
Zugfahren neue Aspekte abzugewinnen.
Songs und Nummern zu schreiben sei sehr Ressourcen-intensiv,
daher versuche sie Stücke zu recyceln oder zu upcyceln. Sehr gut
ist ihre das bei der Nummer "Kinderfest des AfD" gelungen, das
ursprünglich "Kinderfest der NPD" hieß und mit nur wenig
Veränderungen zu einer aktuellen Nummer wurde.
Kommunikation mit dem Publikum wird auch groß geschrieben,
neben klassischer Mitsinganimation werden immer wieder Fragen
gestellt und das Karlsruher Publikum erwies sich dabei als
ungewohnt schlagfertig, sodass Sarah Hakenberg darauf hinweisen
"musste", dass es nur eine Regel gäbe, nämlich, dass niemand
lustiger als sie sein dürfe. Zum Ende des regulären Programms
durften dann auch Wünsche geäußert werden und dabei wir auch das
Publikum bei einer brandneuen Nummer als Versuchspublikum
verwendet.
Fazit: wenn ihr die Gelegenheit habt, Sarah Hakenberg live zu
sehen, nutzt diese! Sehr unterhaltsam, selbstironisch das Ganze
und man bekommt als Publikum durchaus auch den Spiegel
vorgehalten wie bei einer Nummer, die eine Flüchtlingsgala zum
Thema hat.